Aufgaben des Züchters bei der Welpenaufzucht

1. Erstversorgung der Welpen

 

Welpen sind klassische Nesthocker – sie werden in einem unvollkommen entwickelten Zustand geboren und benötigen besondere Pflege.

Die Anpassung der neugeborenen Welpen erfolgt in mehreren Phasen – zunächst müssen die wichtigsten Lebensvorgänge gesichert werden (Lungenatmung, unabhängiger Kreislauf, lebenssichernde Reflexe und Nahrungsaufnahme). Die nächste Phase ist gekennzeichnet durch eine Weiterentwicklung des Nervensystems; zum Ende dieser Phase – nach etwas 2 Wochen – öffnen sich Augen und Ohren. In der anschließenden Phase entwickelt sich die richtungsorientierte Mobilität und die Kontrolle über den Harn- und Kotabsatz. Alle Phasen sollten durch den Züchter aufmerksam begleitet werden. Worauf im Einzelnen geachtet werden sollte, ist Inhalt dieses Artikels.

Häufig kann die Hündin die Geburt und Erstversorgung der Welpen vollkommen alleine bewältigen; manchmal muss sie jedoch bei ihren „Aufgaben“ unterstützt werden, damit nicht zuviel kostbare Zeit verstreicht:

– Eröffnen der Fruchtblase

– Stimulierung von Atmung / Kreislauf = trocken rubbeln

– Nabelschnur ca. 2 bis 3 cm vom Bauch entfernt abbinden / abklemmen

  ca. 1 cm davon entfernt durchtrennen und desinfizieren

Wir empfehlen folgende Ausstattung zur Erstversorgung der Welpen:

– Spritzen mit Zitzenaufsatz

– Mulltupfer

– Klemme

– Nahtmaterial / Zahnseide

– Jodlösung

– Handtücher

– Waage

– Markiermöglichkeit

– Snuggle o.ä.

Es folgt die erste Welpenuntersuchung = Vitalitätsbeurteilung

– Atmung? (Vokalisation?)

– Zitzensuchverhalten?

– Missbildungen?

– Verletzungen?

 

Häufigste Todesursache der neugeborenen Welpen:

neonatales Atemnotsyndrom

Normalerweise führt die Platzentaablösung zur verminderten Sauerstoffversorgung; diese führt zur Übersäuerung des Blutes (respiratorisch-metabolische Azidose). Dies ist die notwendige Stimulation dafür, dass die Atmung einsetzt.

Wenn die Sauerstoffunterversorgung und die Übersäuerung des Blutes durch die Lungenatmung nicht ausgeglichen werden können, kommt es zum „Neonatalen Atemnotsyndrom“). Mögliche Ursachen hierfür sind nicht abgeschlossene Lungenreifung, falscher Oxytocineinsatz, verlängerte Austreibungsphase, Aspiration von Fruchtwasser etc.

Wichtige Schritte bei der Reanimation:

– Absaugen von Schleim und Flüssigkeiten aus Mund/Nase

– Thoraxmassage

– Stimulation der Atmung (Akupunkturpunkt LG26, Atemstimulanzien)

Weitere Überwachung während der nächsten 24-48 Stunden

 

Die Welpen sollten zeitnah zum Saugen angelegt werden – einerseits stimuliert das Saugen eine Oxytocinausschüttung bei der Mutter, wodurch der weitere Geburtsverlauf unterstützt wird, andererseits ist die frühzeitige Aufnahme des Kolostrums für die Welpen wichtig. Hierdurch bekommen sie einen Großteil der sie schützenden mütterlichen Antikörper, denn beim Hund werden nur etwa 5-10 % der Antikörper über die Plazenta auf die Welpen übertragen. Die zeitnahe Aufnahme der Kolostralmilch ist besonders wichtig, da der Antikörpergehalt der Muttermilch stündlich abnimmt; außerdem verliert der Darm der Welpen bereits nach 4 bis 8 Stunden die Fähigkeit, die Antikörper über die Darmschleimhaut aufzunehmen und sie an das Blut abzugeben.

Man kann das Immunsystem von Welpen und Hündin zusätzlich durch die Gabe von Zylexis unterstützen. Dieses Medikament stimuliert die nicht spezifischen Immunmechanismen für die ersten Wochen.

 

2. Betreuung der Welpen während der ersten Lebenswochen

Neugeborene Welpen können ihre Körpertemperatur noch nicht regulieren und benötigen deswegen die Nähe ihrer Mutter als externe Wärmequelle. Die Regulierung der Körpertemperatur entwickelt sich in den ersten vier Wochen.

Am Verhalten der Welpen kann man überprüfen, ob die Umgebungstemperatur passt – liegen sie einzeln bzw. weit voneinander entfernt ist es für sie eher zu warm, liegen sie dicht zusammengedrängt, ist es eher zu kalt.

Unterkühlung und Unterzuckerung hängen bei den Neonaten eng zusammen: bei einer Hypothermie (< 34,5°C) nimmt die Aktivität der Welpen ab, sie trinken weniger, ihre Verdauung kommt zum Stillstand und sie unterzuckern. Außerdem besteht die Gefahr, dass die unterkühlten Welpen von der Mutterhündin „aussortiert“ werden. Sie müssen dann langsam aufgewärmt und mit Energie versorgt werden. Außerdem sollte die Ursache für die Unterkühlung abgeklärt werden. Eine häufige Ursache ist die Unterversorgung mit Energie, d.h. eine mangelhafte Nahrungszufuhr – das kann beispielsweise daran liegen, dass der Wurf zu groß ist, dass die Mutter zuwenig Milch oder eine Mastitis hat, dass die Mutter die Welpen nicht annimmt oder dass der Welpe nicht richtig trinken kann.

Wichtig ist ein sorgfältiges Monitoring des Wurfes. Erste Hinweise, dass etwas nicht in Ordnung ist, bekommt man durch das Verhalten der Welpen. Gesunde neugeborene Welpen verbringen 90% des Tages mit Schlafen und schreien nicht lange – wenn ein Welpe länger schreit, sollte nachgeschaut werden, ob etwas nicht stimmt!

Ein Dehydratation (Austrocknung) der Welpen kann man am besten erkennen, indem man den Urin untersucht – dunkler Urin ist ein Hinweis auf Flüssigkeitsmangel beim Welpen, der korrigiert werden muss.

Das wichtigste Instrument des Monitorings der Welpen ist die Gewichtskontrolle. Variationen beim Geburtsgewicht der Geschwister sind normal. Auch ein Gewichtsverlust während der ersten 24 Stunden nach der Geburt ist nicht besorgniserregend. Dieser sollte jedoch nicht mehr als 10 % des Gewichtes betragen. Danach sollten die Welpen täglich ca. 5 bis 10 % ihres Geburtsgewichtes zunehmen. Das Gewicht sollte sich dann nach 10 bis 14 Tagen verdoppelt haben.

Der Züchter kann steuernd eingreifen, indem er die leichteren Welpen gezielt bei der Mutter anlegt (beispielsweise an die hinteren, besser erreichbaren Gesäugekomplexe); wenn das nicht ausreicht, muss zugefüttert werden. Dazu sind heutzutage industriell hergestellte Milchaustauscher, die nach Herstellervorschrift verwendet werden, am besten geeignet. Ziel wäre auch hierbei eine Gewichtszunahme von 10 % pro Tag. Die Mahlzeiten müssen dabei auf 6 bis 8 Fütterungen während 24 Stunden gleichmäßig verteilt werden.

Eine sinnvolle Maßnahme während der ersten beiden Lebenswochen ist das „Early Handling“ zur frühzeitigen neurologischen Stimulation der Welpen. Dabei handelt es sich um 5 Übungen, die an den ersten Lebenstagen (Tag 3-16) in Ergänzung zum normalen Umgang täglich mit jedem Welpen durchgeführt werden sollten. Durch das Early Handling werden Stresstoleranz, Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und emotionale Stabilität der Welpen verbessert. Die folgenden Übungen sollten jeweils für ca. 5 Sekunden durchgeführt (die Reihenfolge ist hierbei egal):

– den Welpen aufrecht halten (senkrecht zum Boden – Kopf oben, Po unten)

– den Welpen kopfüber halten (senkrecht zum Boden – Kopf unten, Po oben)

– den Welpen auf dem Rücken in den Händen halten

– den Welpen auf ein kühles feuchtes Tuch setzen – mit den Pfoten nach unten

– den Welpen mit einem Wattestäbchen zwischen den Zehen einer Pfote kitzeln

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