Informationen zur künstlichen Besamung beim Hund

(Vortrtag anlässlich der ersten Arbeitstagung der AGRH (Arbeitsgruppe Reproduktionsmedizin in der Hundezucht):

Zur Samenübertragung beim Hund

(Zusammenfassung; Einführung; Drei Arten der instrumentellen Samenübertragung; Ort und Zeitpunkt der Samenübertragung;
Vorteile der instrumentellen Samenübertragung; Vorteile der Übertragung von Tiefgefriersamen)



[Ablauf einer chirurgischen Samenübertragung]

[Welpen aus Tiefgefriersamenübertragung]


K. Blendinger

Zusammenfassung:
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Die künstliche Besamung ist eine schonende; hygienische und zeitsparende Methode in der Hundezucht, die jedem Züchter als gleichberechtigte Alternative zum Natursprung zur Verfügung stehen sollte.

Vorteile der künstlichen Besamung sind:

1. Schutz des Deckrüden vor Infektionen
2. Schutz des Deckrüden und der Zuchthündin vor Verletzungen
3. Genaue Deckzeitpunktbestimmung
4. Einfacher Samentransport über weite Entfernungen
5. Genitalerkrankungen der Hündin können erkannt werden
6. Je nach Intensität der begleitenden Untersuchungen werden auch Krankheiten seitens des Rüden erkannt.

Vorteile der Tiefgefriersamenübertragung sind:

1. Erkennen von Geschlechtskrankheiten und mangelhafter Samenqualität beim Rüden
2. Die Zuchtnutzung des Rüden wird durch andere Nutzungen weniger eingeschränkt
3. Die Zuchtnutzung des Rüden ist auch nach Unfällern oder nach dem Tod noch möglich
4. Größeres Einsatzgebiet des Rüden und damit potentiell höherer Marktwert auch in anderen Ländern

Es gibt drei Arten der künstlichen Besamung beim Hund:

1. Frischsamenübertragung
2. Übertragung von gekühltem Samen
3. Tiefgefriersamenübertragung

Der richtige Tag für die Besamung:

An einem Tag im Zyklus der Hündin erreicht das Luteinisierungshormon (LH) Maximalwerte. Dieser Vorgang wird LH-Peak genannt.

Zwei Tage später finden die Eisprünge statt. An diesem Tag liegen die Progesteronwerte zwischen 4 und 10 ng/ml.

Termingerechter Deckakt oder Samenübertragung

 

Tage nach LH-Peak

Tage nach den Eisprüngen

Natürlicher Deckakt; Frischsamen

3-6

1-4

Gekühlter Samen

4-6

2-4

Tiefgefriersamen

5-6

3-4

Korrekter Ort der Samenablage

 

präzervikal

intrauterin

Natürlicher Deckakt; Frischsamen

X

(x)

Gekühlter Samen

X

(X)

Tiefgefriersamen

(x)

X

 

Einführung:
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Auch in der Hundezucht gewinnt die künstliche Besamung immer mehr an Bedeutung, wenngleich ihre Befürworter auf die gleichen Vorbehalte stoßen, wie in der Nachkriegszeit die Befürworter der künstlichen Besamung beim Rind.

Die Angst vor Unfruchtbarkeit und Missbildungen war damals groß, wurde jedoch bald ihrer Grundlage entzogen. Im Gegenteil: Die züchterischen Erfolge in der Rinderzucht wären ohne den Einsatz der künstlichen Besamung nicht möglich gewesen.

Aber auch in der Schweine-, Ziegen- und inzwischen in der Warmblutzucht hat sich die künstliche Besamung als gleichberechtigte Methode zur Bedeckung neben dem Natursprung etablieren können.

Ein Blick auf den amerikanischen Zuchthundeverband (AKC: American Kennel Club) zeigt, dass diese Entwicklung auch vor der Hundezucht nicht Halt macht. Hier verdoppelte sich die Zahl der durch Übertragung von Tiefgefriersamen entstandenen Würfe zwischen den Jahren 1997 und 2000 auf 658 bei anhaltend steigender Tendenz.

Damit die Vorteile dieser Technik auch bei uns zum Tragen kommen können, muss ein flächendeckendes Netz an qualifizierten Tierärztinnen und Tierärzten aufgebaut werden, die sowohl die Technik der Samenentnahme und -untersuchung als auch der Samenübertragung und des Umgangs mit Tiefgefriersamen beherrschen.

Drei Arten der künstlichen Besamung werden unterschieden:
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Bei der Frischsamenübertragung wird der Samen des Rüden in Anwesenheit der zu deckenden Hündin entnommen und nach kurzer Untersuchung meist ohne Zusatz von Samenverdünner auf die Hündin übertragen.

Der Samen kann durch Zusatz eines geeigneten Verdünners und Kühlung für zwei bis drei Tage haltbar gemacht werden. Der gekühlte Samen kann in dieser Zeit transportiert werden.

Die Herstellung von Tiefgefriersamen ist deutlich aufwendiger, der Samen kann jedoch beliebig lange in einer Samenbank gelagert werden.

Zeitpunkt und Ort der Samenablage:
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Termingerechter Deckakt oder Samenübertragung

 

Tage nach LH-Peak

Tage nach den Eisprüngen

Natürlicher Deckakt; Frischsamen

3-6

1-4

Gekühlter Samen

4-6

2-4

Tiefgefriersamen

5-6

3-4

Korrekter Ort der Samenablage

 

präzervikal

intrauterin

Natürlicher Deckakt; Frischsamen

X

(x)

Gekühlter Samen

X

(X)

Tiefgefriersamen

(x)

X


Für den Erfolg der künstlichen Besamung sind der Zeitpunkt und der Ort der Samenablage entscheidend.

Der beste Zeitraum für einen natürlichen Deckakt oder die Frischsamenübertragung liegt bei 3 bis 6 Tagen nach dem LH-Peak (= 1-4 Tage nach den Eisprüngen), wobei die Samenablage in der Regel vor den äußeren Muttermund (präzervikal) erfolgt.

Gekühlter Samen

wird am besten 4 bis 6 Tage nach dem LH-Peak (2-4 Tage nach den Eisprüngen) übertragen. Eine intrauterine Samenablage kann sinnvoll sein, ist aber nicht zwingend erforderlich.

Tiefgefriersamen

wird aufgrund der geringeren Lebensdauer der aufgetauten Spermatozoen erst 5-6 Tage nach dem LH-Peak (3-4 Tage nach den Eisprüngen) übertragen. Die intrauterine Samenablage ist für den Erfolg entscheidend.

Vorteile der künstlichen Besamung:
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1. Ein wesentlicher Vorteil der künstlichen Besamung liegt im Schutz des Deckrüden vor Infektionen.

Die häufig geforderte bakteriologische Untersuchung der Hündin vor dem Deckakt gewährleistet keine Sicherheit vor gefährlichen Infektionserregern wie Brucellose, Herpesvirus, Mykoplasmen oder anaeroben Keimen. Bei der künstlichen Samenübertragung fällt dieses Risiko für den Rüden weg.

2. Schutz des Deckrüden und der Hündin vor Verletzungen.

Auch wenn durch wiederholte Hormonuntersuchungen der beste Deckzeitpunkt (zwei Tage nach den Eisprüngen der Hündin) sehr gut ermittelt werden kann, ist dieser Tag nicht in jedem Fall der Tag der besten Duldungsbereitschaft der Hündin. Dieser kann um ein bis zwei Tage von dem hormonell ermittelten besten Decktag abweichen. Gerade wenn für die Anpaarung nur ein Deckakt zur Verfügung steht, kann dieser Umstand zu erheblichen Problemen führen.

Bei mehr oder weniger erzwungenen Deckakten kann es sowohl bei der Hündin als auch beim Rüden zu Verletzungen an den Genitalien mit zum Teil erheblicher Blutungsneigung oder auch zu Bissverletzungen kommen.

Verschiedene Ursachen können auch bei geschlechtsgesunden Tieren zum erschwerten Deckakt führen:

- Falscher Deckzeitpunkt
- Zu wenig Zeit und Platz um die Hündin und den Rüden aneinander zu gewöhnen.
- Deckunerfahrenheit des Rüden.
- Störung des Deckverhaltens seitens des Rüden durch Unterordnung gegenüber dem
- Hundeführer.
- Fehlende Duldungsbereitschaft der Hündin trotz richtigem Deckzeitpunkt.
- Individuelle Antipathie zwischen einer bestimmten Hündin und einem bestimmten Rüden.

3. Genaue Deckzeitpunkbestimmung bei der Hündin.

Während sich einige Hündinnen nur sehr kurz decken lassen, dulden andere den Deckakt über ein bis zwei Wochen oder noch länger. Die besten Konzeptionsraten und Wurfgrößen werden aber schon mit zweimaligem, zeitgerechtem Decken erreicht. Häufigere Deckakte erhöhen also nicht die Fruchtbarkeit, sondern das Risiko einer Genitalinfektion. Somit werden durch genaue Deckzeitpunktbestimmung, wie sie im Rahmen der künstlichen Besamung durchgeführt wird, zu häufige und überflüssige Deckakte verhindert.

4. Transport von Samen wird möglich.

Auch ohne Tiefgefrierkonservierung kann Rüdensamen innerhalb von 2 Tagen als gekühlter Samen durch Transportunternehmen verschickt werden. Zeitraubende Fahrten können insofern verringert werden.

5. Erkrankungen der Hündin können erkannt werden.

Anlässlich der gynäkologischen Untersuchung vor der Besamung oder auch während der Besamung können Veränderungen bei der Hündin erkannt werden, die die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen könnten. Dies betrifft vor allem Veränderungen in der Scheide, wie Scheidenspangen (Abb. 7), Verklebungen, Entzündungen, Narben oder Wucherungen.

Ungewöhnlich lang anhaltende Östrogenwirkung kann bei der wiederholten vaginalzytologischen Untersuchung auffallen und indirekt Hinweise auf Eierstockserkrankungen liefern, denen dann gezielt nachgegangen werden kann.

Weitere wesentliche Vorteile ergeben sich durch den Einsatz von Tiefgefriersamen:
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