Infertilität bei der Hündin
[Vortrag: Infertilität in der Hundezucht]
Inhalt:
Definition der Infertilität
Ursachen der Infertiltiät beim Hund (Übersicht)
Management: Deckzeitpunktbestimmung
Physologische Voraussetzunge für die Befruchtung
Ermittlung des Tages der Eisprünge (Ovulation)
Planung und Durchführung des Deckaktes ohne zusätzliche Untersuchungen
Deckzeitpunktbestimmung mit Messung des Progesteronwertes
Unfruchtbarkeit der Hündin mit normalem Zyklusabstand
Anatomische Veränderungen
Alter
Infektionen
Verhalten (-sabweichungen)
[Inzucht(?)]
Uteruserkrankungen
Hormonelle Ursachen
Medikamente
Weitere Ursachen
Unfruchtbarkeit der Hündin mit verlängertem Zyklusabstand
Stille Hitze
Hormonelle Ursachen
Hypothyreoidismus
Corpus luteum Zysten
Hyperadrenokortizismus
Hyperprolaktinämie
Medikamente
Unfruchtbarkeit der Hündin mit verkürztem Zyklusabstand
Zu hohe Östrogenwirkung
Eierstockszysten
Eierstockstumore
Leberfunktionsstörungen
Exogene Östrogene
Vorzeitiger Progesteronabfall
Split Östrus
Anovulatorischer Zyklus
Hypoluteinismus
Kurzes Anöstrus-Syndrom
Embryonaler Frühtod / Resorption
Medikamente
Konsequenzen für die Deckpraxis
Definitionder Unfruchtbarkeit / Infertilität:
Eine Hündin ist zweimal hintereinander leer geblieben.
Subfertilität:
Nicht klar definierter Begriff:Eine Hündin bleibt ab und zu leer oder erreicht nicht die erwarteten oder erhofften Wurfergebnisse.
Ursachen der Infertilität:
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Managementfehler |
40 - 80 % |
| Unfruchtbarkeit des Rüden | ~ 10- 20 - 30 % (?) |
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Unfruchtbarkeit der Hündin |
~ 10- 20 - 30 % (?) |
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Unklare Ursache |
? |
Deckzeitpunktbestimmung
:Ziel der Bedeckung ist es, dafür zu sorgen, dass befruchtungsfähige Samenzellen in den Eileitern der Hündin auf befruchtungsfähige Eitzellen treffen.
Physiologie
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Die Eizellen |
- verlassen am Tag der Eisprünge (Ovulation; Follikelsprung) die Eierstöcke |
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Die Samenzellen |
- erreichen im Natursprung innerhalb der ersten zehn Minuten zu einem großen Teil die Eileiter |
Ermittlung des Tages der Eisprünge (Ovulation)
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Verhalten |
die Hündin erreicht den Östrus, das heißt, sie duldet den Deckakt. (es gibt aber auch einzelne Hündinnen, die schon eine Woche vorher dulden oder Hündinnen, die erst zwei bis 3 Tage nacher dulden) |
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Vulva |
Die Schamlippen, die während der Läufikgkeit stark angeschwollen sind, beginnen wieder kleiner zu werden - es bilden sich Fältchen (es gibt aber auch einzelne Hündinnen, deren Schamlippen während der gesamten Läufigkeit nur geringgradig anschwellen oder Hündinnen, bei denen der Rückgang der Schwellung verzögert ist) |
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Vaginalzytologie |
Der Verhornungsgrad der Vaginalschleimhaut erreicht seinen Höhepunkt und die Zellen bilden Zellhaufen (Cluster) (der maximale Verhornungsgrad, den das Scheidenepithel erreicht, ist von Hündin zu Hündin unterschiedlich und auch der Zeitpunkt des Auftretens von „Clustern" ist variabel) |
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Vaginoskopie |
Die Scheidenschleimhaut, die während der Läufikgkeit aufgrund der Östrogenwirkung proliferiert ist und viel Flüssigkeit eingelagert hat, „schrumpft" durch den plötzlichen Östrogenentzug und bildet sichtbare Sekundär- und Tertiärfalten. (eine tägliche Untersuchung ist nötig und auch hier gibt es Hündinnen, die mit 2 bis 3 Tagen Abweichung dieses Merkmal ausbilden) |
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Ultraschalluntersuchung |
Die Eisprünge können mittels Ultraschalluntersuchung direkt verfolgt werden. (Der praktische Nutzen dieser Untersuchung wird dadurch eingeschränkt, dass mindestens zweimal täglich untersucht werden muss und die Untersuchung jeweils etwa 10 bis 30 Minuten in Anspruch nimmt) |
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Bestimmung von LH (Luteinisierungshormon) |
Zwei Tage vor den Eisprüngen erreicht das Luteinisierungshormon (LH) seine maximale Konzentration im Blut. Dieses Hormon kann in einem Schnelltest nachgewiesen werden. Nachteil: es ist bislang für keinen Tierarzt lohnend sich den Test vorrätig zu halten, da er zu schnell verfällt und dadurch zu hohe Kosten verursacht. |
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Progesteronwert |
Am Tag der Ovulation (Eisprünge) liegt der Serum - Progesteronwert zwischen 4 und 10 ng/ml Dies ist aus praktischer Sicht die bislang beste Methode zur Ermittlung der Eisprünge. Die Genauigkeit von ± 1 Tag (oder sogar noch etwas weniger) wird bislang durch keine andere Untersuchung erreicht! |
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Fertile Periode |
- Zeitraum in der eine Bedeckung etwa gleich große Chancen auf Erfolg hat |
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Empfohlene Decktage |
- die letzten 4 Tage der fertilen Periode |
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Ziel einer Anpaarung |
zweimaliges Belegen innerhalb der empfohlenen Decktage (der erste Deckversuch soll - wenn möglich - am Tag 1 nach den Eisprüngen durchgeführt werden) |
Planung und Durchführung des Deckaktes ohne zusätzliche Untersuchungen
- Ersten Tag der Vulvaschwellung und des blutigen Ausflusses festhalten
- An den Tagen 5 bis6 des Proöstrus erstmalig am Rüden testen.
(Die Hündin 10 bis 20 Minuten lang mit dem Rüden in Kontakt bringen, um den ersten Tag der Deckbereitschaft (Östrus) zu erkennen.
- Wiederholung alle 2 -3 Tage
- Die Hündin wird alle 2 bis 4 Tage gedeckt, so lange sie es duldet.
Deckzeitpunktbestimmung mit Messung des Progesteronwertes:
Vorstellung in der Tierarztpraxis jeden 2. oder 3. Tag (Montag/ Mittwoch / Freitag) etwa ab Tag 5 bis 7 der Läufigkeit
In der Praxis:
- Vaginalzytologie so lange bis 85 bis 90% Superfizialzellen vorliegen.
- dann jeweils Messung des Progesteronwertes, bis der Wert zwischen 4 und 10 ng/ml liegt.
- Ersten Deckversuch am Tag danach durchführen.
- Deckversuche, die später als 4 Tage danach durchgeführt werden, haben geringe Chancen auf Erfolg.
(Bestimmung des Progesteronwertes entweder durch ein auf Hunde spezialisiertes Labor (nicht Humanlabor!) oder einen Schnelltest in der Praxis (Hormonost® und nicht Target®)
Unfruchtbarkeit der Hündin mit normalem Zyklusabstand
Anatomische Veränderungen
Alter
Infektionen
Verhalten (-sabweichungen)
[Inzucht(?)]
Anatomische Veränderungen:
Häufiger:
Immer wieder anzutreffen sind ein enger Hymenalbereich vor allem bei jungen Hündinnen. Meist weitet sich dieser im Laufe der Läufigkeit durch den Östrogeneinfluss.
Eine Scheidenspange kann sowohl den Deckakt erschweren oder unmöglich machen, oder aber auch erst bei der Geburt Probleme bereiten.
Selten:
Es gibt auch Formen der Intersexualität, bei denen der Geschlechtsapparat nicht normal ausgebildet ist.
Alter:
Im allgemeinen steigt die Fruchtbarkeit bis zu einem Alter von etwa 2 Jahren an und fällt ab 8 Jahren wieder ab. Es bestehen einzelne rassetypische Besonderheiten.
Infektionen:
Infektionen mit Krankheitserregern können zur Unfruchtbarkeit führen.
Daher wird vielfach zu Beginn der Läufigkeit bei der Hündin eine bakteriologische Untersuchung durchgeführt.
Verschiedene Argumente sprechen jedoch gegen diese Maßnahme:
1) Der einzige obligat pathogene Keim (-der einzige Keim, der mit Sicherheit auch eine Erkrankung auslöst-) in der Scheide der Hündin ist Brucella canis.
2) Die Brucellose beim Hund konnte in Deutschland bei Routineuntersuchungen seit Jahren nicht nachgewiesen werden.
3) Das Auftreten anderer Keime beweist keine Erkrankung
4) Viele potentielle Krankheitserreger würden bei einer Routineuntersuchung nicht nachgewiesen (Anaerobier / Chlamydien / Mykoplasmen / Ureoplasmen ...)
5) Der Behandlungserfolg ist fraglich. Wird beispielsweise eine Reinkultur an E.coli in der Scheide einer läufigen Hündin nachgewiesen, ist es fraglich, ob diese Keime durch eine antibiotische Therapie mit Tabletten überhaupt beseitigt werden kann. Häufig erreichen die Medikamente nicht in ausreichender Konzentration die Oberfläche der Scheidenschleimhaut.
6) Die Hündin kann sich während der Läufikgeit neu anstecken: Durch eigenes Belecken der Vulva; durch Knotakt mit anderen Hunden oder beim Deckakt.
Eine sinnvolle Prophylaxe vor Infektionen besteht in:
1) Herstellung der Zahngesundheit aller Hunde im Bestand. (Die Mundhöhle ist ein Reservoir für Bakterien)
2) Vaginoskopische Untersuchung der Hündin in der ersten Woche der Läufigkeit bei der routinemäßig eine Scheidenspülung mit einer milden antiseptischen Lösung durchgeführt wird, um den Infektionsdruck zu senken.
(Nur wenn Veränderungen der Scheidenschleimhaut für eine Entzündung sprechen, sollte gegebenfalls eine antibiotische Behandlung durchgeführt werden).
3) Präputialspülung beim Rüden vor der Bedeckung.
Bakterien in der Scheide gesunder Hündinnen
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Aerobe Kultur |
60% |
Streptokokken |
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Anaerobe Kultur |
55% |
Bacteroides |
Infertilitätserreger
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Bakterien |
(Brucella canis) ! ! |
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Viren |
Canines Herpesvirus |
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Parasiten |
Toxoplasma gondii |
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Pilze |
Spielen bei der Hündin keine Rolle |
Deckverhalten (-sabweichungen)
Es gibt keine Definition von krankhaftem Deckverhalten. Insofern kann man bestenfalls erwünschtes von unterwünschtem Deckverhalten unterscheiden.
Es gibt Rassen, bei denen ein großer Teil der Bedeckungen über die künstliche Samenübertragung durchgeführt wird. Es handelt sich dabei aussnahmslos um anatomische Gründe, die die natürliche Fortpflanzung erschweren und nicht um Gründe, die beim Deckverhalten liegen.
Meiner Meinung nach (K. Blendinger) lässt sich durch den Einsatz der künstlichen Samenübertragung nicht das Deckverhalten negativ beeinflussen, sondern es lassen sich bestenfalls Rassen züchten, die ungünstlige anatomischen Voraussetzungen für den Deckakt haben. (Wie dies bereits bei einzelnen Rassen der Fall ist).
Inzucht
Es wird immer wieder darüber berichtet, dass in einer Rasse durch Erhöhung des Inzuchtgrades plötzlich Fruchtbarkeitsprobleme auftreten. Insofern scheint ein Zusammenhang nicht von der Hand zu weisen.
Es sprechen aber andere Argumente gegen diese These:
1) Der tatsächliche Inzuchtgrad ist bei den meisten Hunderassen nicht so groß, dass inzuchtbedingte Defekte zu erwarten wären. (Analogien aus der Humangenetik und der Vergleich mit den Nutztierrassen legen diesen Schluss nahe).
2) Es gibt keinen einheitlichen Inzuchtgrad, bei dem Fruchtbarkeitsprobleme zu erwarten wären. Es gibt Hunderassen, die bei weitem enger gezüchtet sind, als der Rest der Hunderassen und die keinerlei Probleme mit der Fruchtbarkeit haben.
3) Im langjährigen Vergleich werden Zyklen von besserer und schlechterer Fruchtbarkeit über die Rassen hinweg beobachtet, die bislang nicht erklärt werden können.
Uteruserkrankungen
Bei der Gladulär-zystischen Hyperplasie der Gebärmutterschleimhaut bilden sich in der Schleimhaut der Gebärmutter flüssigkeitsgefüllte Hohlräume, die sich zu zystischen Gebilden ausweiten und im fortgeschrittenen Stadium Durchmesser von mehreren Milimetern bis hin zu ein oder zwei Zentimeter erreichen. Diese veränderte Schleimhaut wird leichter durch Bakterien infiziert und erschwert auch eine Nidation von befruchteten Eizellen. Ursächlich spielen sowohl Östrogene als auch Progesteron eine Rolle. Im fortgeschrittenen Lebensalter sind bei intakten Hündinnen fast ausnahmslos Uterusregionen zu finden, die im Sinnen einer Glandulär-zystischen Hyperplasie zu interpretieren sind. Insofern sind auch die Übergänge zwischen normaler und veränderter Uterusschleimhaut fließend.
(Hormonelle Ursachen)
Da hormonell bedingte Infertiltätsfälle in der Regel mit einer Veränderung des Zyklusabstandes verbunden sind, werden sie bei verlängertem beziehungsweise verkürztem Zyklusabstand besprochen. Dennoch können Fälle auftreten, bei denen sich der Zyklusabstand nicht in der erwarteten Weise verschiebt und dennoch eine hormonellel Unfruchtbarkeitsursache vorliegt.
Medikamente
Steoidhormone; manche Pilz- oder Parasitenbekämpfungsmittel; Prostaglandine, Antigestagene, Antiprolaktine.
Weitere Ursachen
Gewicht
Systemische Erkrankungen
Immunerkrankungen
(Ernährung)
Unfruchtbarkeit der Hündin mit verlängertem Zyklusabstand
Stille Hitze
Def: Ovarieller Zyklus ohne Läufigkeitssymptome wie:
- Attraktivität für Rüden
- Schwellung der Vulva
- Blutung
Wenn sich eine Hündin decken lässt, kann es keine „Stille Hitze" gewesen sein, denn sie war zumindest attraktiv für Rüden.
Es kann bestenfalls eine „trockene Hitze" (ohne Blutung) gewesen sein.
Hormonelle Ursachen
Hypothyreoidismus
Corpus luteum Zysten
Hypoadrenocortizismus
Hyperprolaktinämie
Medikamente:
Gestagenen
Androgenen
Anabolika
Unfruchtbarkeit der Hündin mit verkürztem Zyklusabstand
Zu hohe Östrogenwirkung
Eierstockszysten
Eierstockstumore
Leberfunktionsstörungen
Exogene Östrogene
Vorzeitiger Progesteronabfall
Split Östrus
Anovulatorische Zyklen
Hypoluteinismus
Kurzes Anöstrus-Syndrom
Medikamente (Antigestagene; Dopaminerge Substanzen)
Konsequenzen für die Deckpraxis
1) Vorbereitung
Ernährung
Imfpungen
Parasitenbekämpfung
Zahngesundheit
2) Senken des Infektionsdruckes
Kontakt mit anderen Hunden reduzieren
Rudel; Spaziergänge auf lokaler Hundewiese; Ausstellungen; Verein; Sport
Stress reduzieren
Sport; Jagd; Ausstellungen; Flüge
Samenübertragung
3) Hygiene
Reinigung und Gewöhnung an Wurfraum, -kiste;
Gynäkologische Untersuchung zu Beginn der Läufigkeit mit Scheidenspülung
Präputialspülung vor dem Deckakt
Ggf. Samenübertragung
4) Deckzeitpunktbestimmung
Ggf. Vaginalzytologie, bis >90% Superfizialzellen vorliegen
Progesteronbestimmung bis ein Wert zwischen 4 und 10 ng/ml erreicht ist = Ovulation
Im Zeitraum von 1 und 4 Tagen nach der Ovulation ein- oder zweimal decken